Rondell_nach_vorne 1999 info-icon-20px © Foto: Peter Dafinger

Umbauten Pfarrkirche St. Anton

Innenansicht nach vorne

Probe Vorn
Probe Hinten

Reno­vie­run­gen und Umge­stal­tun­gen nach 1967
Wie jedes ande­re Haus unter­liegt auch das Haus Got­tes“ einem
Alte­rungs- und Abnut­zungs­pro­zeß. Die ästhe­ti­schen Vor­stel­lun­gen
wan­deln sich eben­so wie die lit­ur­gi­schen For­men.
Dem­entspre­chend wer­den von Zeit zu Zeit Repa­ra­tu­ren und
Reno­vie­run­gen, ja sogar Um- und Neu­ge­stal­tun­gen lit­ur­gi­scher
Räu­me vor­ge­nom­men. Auch und gera­de St. Anton war in
ein­schnei­den­der Wei­se davon betrof­fen.
Nach dem Zwei­ten Welt­krieg galt es vor allem, die durch
Flie­ger­an­grif­fe ent­stan­de­nen Schä­den aus­zu­bes­sern, den Bestand
zu restau­rie­ren und tech­ni­sche Anla­gen sowie die Orgel zu
moder­ni­sie­ren.
Im gro­ßen und gan­zen behielt die Kir­che aller­dings ihre
ursprüng­li­che Gestalt bei, bis die Lit­ur­gie­re­form des
II.Vatikanischen Kon­zils neue Ide­en zum Vor­schein kom­men ließ.
Seit 1967 gab es Gedan­ken und Plä­ne zu einer Neu­ge­stal­tung
des Kir­chen­rau­mes von St. Anton; als geis­ti­ge Väter sind hier der
dama­li­ge Pfar­rer Anton Gey­er, der Bau­re­fe­rent Dom­ka­pi­tu­lar Pletl
sowie die Gebrü­der Franz und Leo­pold Haf­ner zu nen­nen. Nach den Ent­wür­fen der letz­te­ren wur­de schließ­lich im Jah­re 1969 die
Reno­vie­rung durch­ge­führt. Sie hat­te eine erheb­li­che Ernüch­te­rung“ des Rau­mes — dem dama­li­gen Zeit­ge­schmack ent­spre­chend – zur Fol­ge. So wur­den aus der Kir­che ent­fernt: der Hoch­al­tar, die Kom­mu­ni­ons­chran­ke, die Sei­ten­al­tä­re, die Kan­zel, die Beicht­stüh­le, die Git­ter vor den Sei­ten­ka­pel­len, deren Ein­rich­tung sowie fast alle Bunt­glas­fens­ter. Die Ora­to­ri­en­fens­ter ließ man zumau­ern, die qua­dra­ti­schen Durch­läs­se zu den Sei­ten­ka­pel­len hin eben­so wie zu den Ein­gän­gen soll­ten offen und die ent­spre­chen­den Durch­gän­ge freiblei­ben. Die Anord­nung der nun­mehr abge­beiz­ten Bän­ke ver­än­der­te sich: ab dem west­sei­ti­gen Beginn des zen­tral­o­va­len Haupt­schiffs wur­den sie auf Holz­fuß­bö­den in Blö­cken und gegen­ein­an­der ver­setzt raum­fül­lend ange­bracht. Auf der nun kon­vex ins Oval hin­ein ver­län­ger­ten Pres­by­te­ri­ums­ebe­ne stell­te man einen Mit­tel- oder Volks­al­tar sowie seit­lich davon einen Ambo auf, die der Bild­hau­er Leo­pold Haf­ner aus dun­kel­grau­em Treucht­lin­ger Mar­mor schuf.
Aus sei­ner Werk­statt stamm­te auch der auf einer Art Lebens­baum
auf­ru­hen­de welt­ku­gel­för­mi­ge Bron­zeta­ber­na­kel, der sei­nen Platz in der ehe­ma­li­gen (nörd­li­chen) Tauf­ka­pel­le fand. Das alte Tauf­be­cken aus rotem Unters­ber­ger Mar­mor bekam einen neu­en Ort in der Apsis des Pres­by­te­ri­ums. Die Apsi­den­ni­sche nahm als ein­zi­gen bild­li­chen Schmuck des Chor­raums das gro­ße Kreuz – aller­dings ohne die Schmer­zens­mut­ter – auf. Die Apos­tel­leuch­ter wur­den eben­falls im Chor­raum und die Kreuz­weg­sta­tio­nen neu­ge­rahmt am heu­ti­gen Ort ange­bracht. Neue Beicht­stüh­le fan­den im Ein­gangs­be­reich der Kir­che Platz. Da die Raum­scha­le mög­lichst in ihrer archi­tek­to­ni­schen Gestalt zur Gel­tung kom­men soll­te, wähl­te man eine schlich­te Farb­ge­bung vor allem in Weiß-, Grau- und Gelb­tö­nen. Dem glei­chen Bedürf­nis ent­spra­chen die von Leo­pold Haf­ner ent­wor­fe­nen Kir­chen­fens­ter mit teils leb­haf­te­ren, teils
ruhi­ge­ren Mus­tern aus poly­go­na­len Weiß­glas­schei­ben (Abb. 3).
Seit Anfang der 70-er Jah­re besaß nun auch St. Anton sei­nen unter Pfar­rer Josef Krum­bach­ner voll­ende­ten, moder­ni­sier­ten
Kir­chen­raum, in dem eine den Refor­men des Kon­zils gemä­ße
Lit­ur­gie gefei­ert wer­den konn­te. Im Lau­fe der Jah­re wan­del­te sich
aber – auch unter dem Druck der nach mehr Gemüts­wer­ten
ver­lan­gen­den Pfarr­be­völ­ke­rung — sein inne­res Erschei­nungs­bild
wie­der. Das Anbrin­gen ver­schie­de­ner Bil­der und Figu­ren (auch aus den ursprüng­li­chen Bestän­den) war der Ver­such, die sinn­lich
weni­ger anspre­chen­de Nüch­tern­heit“ der Kir­che zu besei­ti­gen. Dies führ­te bis in die 90erJahre hin­ein zu sti­lis­ti­schen und lit­ur­gi­schen Unge­reimt­hei­ten, die aber ihrer­seits den Gedan­ken an eine erneu­te, grund­le­gen­de Reno­vie­rung auf­kom­men lie­ßen. Eine der Ziel­vor­stel­lun­gen war, den Kir­chen­raum weit­ge­hend wie­der in den
Ori­gi­nal­zu­stand rück­zu­füh­ren. Man ging behut­sam vor­an, kam aber über die Außen­re­no­vie­rung und die Restau­ra­ti­on der Orgel­em­po­re samt Instru­ment (von 1964) und Pro­spekt nicht hin­aus.
Erst mit dem Pfar­r­erwech­sel 1994 und irrepa­ra­blen Schä­den am
Heiz­sys­tem kam das Reno­vie­rungs­pro­jekt wie­der in Schwung. In
einem ab Win­ter 1995 auf allen Ebe­nen – vom Pfarr­an­ge­hö­ri­gen bis zur Diö­ze­san­lei­tung – inten­siv und gründ­lich geführ­ten Dis­kus­si­ons-, Mei­nungs­bil­dungs- und Ent­schei­dungs­pro­zeß wur­de schließ­lich das von Pfar­rer Dr. Josef Wim­mer vor­ge­schla­ge­ne Kon­zept ange­nom­men. Sei­ne Grund­zü­ge lau­te­ten: Pla­zie­rung von Altar und Ambo an zwei Polen des zen­tra­len ova­len Mit­tel­raums, Anord­nung der Sitz­ge­le­gen­hei­ten sowie der Sedi­li­en im Oval um die­se bei­den Pole, Ver­la­ge­rung des Tauf­be­ckens in die west­li­che Ein­gangs­hal­le, Ein­rich­tung von Beicht- und Gesprächs­räu­men, Schaf­fung von
abge­grenz­ten Raum­ein­hei­ten für die pri­va­te Andacht und Anbe­tung.
Die­se Grund­zü­ge stel­len eine kon­se­quen­te Anwen­dung der
Kon­zils­de­kre­te des II.Vatikanums über die Erneue­rung des
Got­tes­diens­tes dar. Zum Kon­zept des Reno­vie­rungs­pro­jek­tes
gehör­te aber auch der Grund­satz Tra­di­ti­on wah­ren und Neu­es wagen“. Ihm zufol­ge soll­ten ursprüng­li­che ästhe­ti­sche Gestal­tun­gen wie­der­her­ge­stellt und mit zeit­ge­nös­si­schen For­men ver­bun­den wer­den. Eine for­mal stren­ge, aber doch edle und aus­ge­wo­ge­ne Möblie­rung“ des künf­ti­gen zen­tral-ova­len lit­ur­gi­schen Fei­er­raums soll­te mit der in der. Das Reno­vie­rungs­mo­dell (Pfarr­ar­chiv) und ers­ter Pro­be­got­tes­dienst im Stuhl­o­val ursprüng­li­chen Fas­sung wie­der her­zu­stel­len­den Raum­scha­le, den wie­der­ge­öff­ne­ten und neu zu gestal­ten­den Ora­to­ri­en­fens­tern und nicht zuletzt dem erneut zu errich­ten­den Hoch­al­tar ein Ensem­ble­bil­den, das eine zwar har­mo­ni­sche, aber doch nicht span­nungs­freie Syn­the­se zwi­schen Alt­her­ge­brach­tem und Zeit­ge­nös­si­schem ergibt.
Nicht zuletzt wur­de die opti­ma­le tech­ni­sche Aus­rüs­tung der Kir­che
(Hei­zung, Elek­tro­nik, Licht, Akus­tik etc) zur Maxi­me des Pro­jek­tes
erho­ben.
In enger und wahr­haft kon­ge­nia­ler Zusam­men­ar­beit der pfar­rei­seits Ver­ant­wort­li­chen und Gre­mi­en mit dem Künst­ler Fried­rich Kol­ler aus Lau­fen, dem Archi­tek­tur­bü­ro hiendl & part­ner aus Pas­sau sowie mit dem Diö­ze­san­bau­amt (Diö­ze­san­bau­meis­ter Lech­ner und Dom­ka­pi­tu­lar Gabri­el) wur­de die Rea­li­sie­rung des
Reno­vie­rungs­kon­zep­tes pro­jek­tiert und ab Früh­som­mer 1998
kon­kret in Angriff genom­men. Die Maß­nah­me wur­de plan­ge­mäß
abge­wi­ckelt, so daß Bischof Franz-Xaver Eder am 13.Juni 1999
(Pfarr­pa­tro­zi­ni­um) den neu­ge­stal­te­ten Kir­chen­raum bene­di­zie­ren
und den Altar kon­se­krie­ren konnte.

© Dr. Josef Wimmer

Kir­chen­um­bau 1999

Das Kon­zept der Innen­re­no­vie­rung von St.Anton

Das ver­wirk­lich­te Kon­zept der Innen­re­no­vie­rung unse­rer Pfarr­kir­che sieht fol­gen­de Ele­men­te oder Maß­nah­men vor, die durch­wegs mit­ein­an­der zusam­men­hän­gen und ein stim­mi­ges Gan­zes ergeben:

Ein­bau einer neu­en Hei­zung (sog.Temperiersystem), Wie­der­eröff­nung der Ora­to­ri­en­fens­ter, Wie­der­her­stel­lung der ursprüng­li­chen Stu­fen­an­ord­nung Rich­tung Pres­by­te­ri­um, Schaf­fung eines nörd­li­chen Zugangs zur Kir­che (alle drei Zugän­ge wer­den durch Wind­fän­ge im Kir­chen­in­ne­ren abge­dich­tet), Abriß der Beicht­stüh­le und Reak­ti­vie­rung des in die Rück­wand ein­ge­las­se­nen Beicht­stuh­les zu einem klei­nen Beicht­zim­mer, Eta­blie­rung eines grö­ße­ren Beicht­zim­mers im nord­west­li­chen Ora­to­ri­um, Anbrin­gung eines umfang­rei­che­ren Schrif­ten­stan­des am rück­wär­ti­gen Haupt­ein­gang der Kir­che, Ver­set­zung des Tauf­be­ckens an den west­li­chen Schei­tel­punkt des zen­tra­len Ovals, Neu­auf­stel­lung von im Oval geschwun­ge­nen Bank­rei­hen (jeweils drei Blö­cke zu drei Rei­hen mit Sitz­pols­tern und Knie­bän­ken), Drei­sit­zer-Bän­ke in fron­ta­ler Anord­nung im rück­wär­ti­gen Teil der Kir­che, Ver­gla­sung der gro­ßen Öff­nun­gen unter dem SW bzw. NW-Ora­to­ri­en, Ver­le­gung eines neu­en Stein­fuß­bo­dens, Auf­hän­gung der Kreuz­weg­sta­tio­nen am bis­he­ri­gen Ort; dar­über, den bestehen­den Fens­tern vor­ge­la­gert, Anbrin­gung der ursprüng­li­chen Glas­ma­le­rei in eige­nen Rah­men, Gestal­tung der süd­li­chen Sei­ten­ka­pel­le als Mari­en­ka­pel­le (mit Maria-Hilf-Bild), der nörd­li­chen als Anto­ni­us­ka­pel­le (mit Anto­ni­us­fi­gur), Errich­tung eines neu­en Altars und Ambos an zwei Polen des durch die Bank­rei­hen aus­ge­spar­ten inne­ren Ovals (Altar um eine, Ambo um zwei Stu­fen erhöht), Abgren­zung die­ses inne­ren Ovals durch eine Art Licht­zelt, das mit Hil­fe von Kugel­leuch­ten geschaf­fen wird, wel­che an einem von der Decke hän­gen­den ova­len Ring befes­tigt sind, Errich­tung des Pries­ter­sit­zes am pres­by­te­ria­len Schei­tel der ova­len Bank­rei­hen; Errich­tung eines Kreuz­vor­hang” genann­ten, metall­ge­floch­te­nen Para­vents am pres­by­te­ria­len Schei­tel des ova­len Zen­tral­rau­mes, Wie­der­auf­stel­lung des im Schnitz­werk leicht ver­ein­fach­ten Hoch­al­tars, davor drei Rei­hen Knie­bän­ke, opti­ma­le Aus­leuch­tung des Rau­mes sowie ein­zel­ner Raum­ein­hei­ten (nach unten wie nach oben, sämt­lich stu­fen­los dimm­bar), Schaf­fung von Vor­rich­tun­gen für Pro­jek­tio­nen von Dia’s und Video’s, opti­ma­le Beschal­lung des Kirchenraumes.

Nach die­ser Auf­zäh­lung der ein­zel­nen Ele­men­te und Maß­nah­men soll nun deren kon­zep­tu­el­ler Zusam­men­hang erläu­tert wer­den, und zwar nach fol­gen­den drei Gesichtspunkten:

1) lit­ur­gisch-theo­lo­gisch, 2) ästhe­tisch-künst­le­risch, 3) technisch-praktisch.

Der lit­ur­gisch-theo­lo­gi­schen Per­spek­ti­ve ord­net sich die gesam­te Reno­vie­rungs­maß­nah­me unter. Sie stellt sich wie folgt dar: In bewähr­ter katho­li­scher Wei­se gehen die Wah­rung der Tra­di­ti­on und die Bereit­schaft zur Reform Hand in Hand. Die Wah­rung der Tra­di­ti­on wird sicht­bar, indem wir wesent­li­che Bestand­tei­le der Kir­chen­ein­rich­tung vor 1970 wie­der auf­grei­fen, so z.B. den Hoch­al­tar. Die Tat­sa­che, daß wir das Aller­hei­ligs­te dort im Taber­na­kel unter­brin­gen, bedingt zugleich die neue Funk­ti­on des Pres­by­te­ri­ums als Ort der Andacht und der stil­len Anbetung.

Als Orte der pri­va­ten die­nen auch die bei­den Sei­ten­ka­pel­len mit Mari­en­bild und Anto­ni­us­fi­gur. Der Tra­di­ti­on fol­gen wir, indem wir den Kreuz­weg auf­hän­gen, der her­kömm­li­chen Beicht­pra­xis einen Platz ein­räu­men und nicht zuletzt, wenn wir in allem die Wür­de eines Got­tes­hau­ses wah­ren, so z.B. in der Wahl edler Mate­ria­li­en und For­men. Die ein­schnei­den­den Ver­än­de­run­gen des Kir­chen­in­ne­ren, die Anfang der 70er Jah­re vor­ge­nom­men wur­den, blei­ben inso­fern erhal­ten, als sie die Aus­gangs­ba­sis für unse­re jet­zi­gen, teils restau­ra­ti­ven Maß­nah­men dar­stel­len. Was aber damals sinn­vol­ler­wei­se ent­fernt wur­de, wird nicht wiederhergestellt.

Unse­re Bereit­schaft zur Reform zei­gen wir in kon­se­quen­ter Treue zum II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Die­ses hat die Erneue­rung des Got­tes­diens­tes im ers­ten Kon­zils­do­ku­ment (Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um) an die vor­ders­te Stel­le der ange­streb­ten Erneue­rung des gesam­ten kirch­li­chen Lebens gestellt. Die zugrun­de­ge­leg­te Theo­lo­gie der got­tes­dienst­li­chen Voll­zü­ge faßt der Lit­ur­gie­wis­sen­schaft­ler Prof.Gerhards (vgl. dazu: Albert Ger­hards: In der Mit­te der Ver­samm­lung – Lit­ur­gi­sche Fei­er­räu­me) so zusam­men: Wesen des christ­li­chen Got­tes­diens­tes ist die Ver­herr­li­chung Got­tes durch Jesus Chris­tus im Hei­li­gen Geist — ein Nach­voll­zie­hen der Bewe­gung, die Gott sel­ber ist. So, wie Gott zu uns Men­schen gespro­chen hat und spricht, spre­chen wir mit ihm. Die fei­ern­de Gemein­de ist nie­mals Selbst­zweck, der um sich selbst kreist, son­dern ist ver­wie­sen auf den ganz Ande­ren, auf Gott. Daher ist auch nicht ein­fach Chris­tus die Mit­te des Got­tes­diens­tes, erst recht nicht die eucha­ris­ti­schen Gaben, die ihn ver­ge­gen­wär­ti­gen, son­dern die wech­sel­sei­ti­ge Bewe­gung von Gott und Men­schen durch Chris­tus im Hei­li­gen Geist. Mit­te des Got­tes­diens­tes ist also die hei­li­ge Hand­lung, der gna­den­haf­te Wesens­aus­tausch zwi­schen Gott und Mensch. Dies geschieht in unter­schied­li­chen Voll­zü­gen. Die Gemein­de bil­det den Raum, Got­tes hei­li­gen Tem­pel, in dem der Geist wohnt (1 Kor 3,16), die Ver­samm­lung, in der Chris­tus gegen­wär­tig wird (Mt 18,20), um den pries­ter­li­chen Dienst der Ver­mitt­lung zu leis­ten. Gegen­wär­tig ist Chris­tus auf ver­schie­de­ne Wei­se: in der ver­sam­mel­ten Gemein­de und ihrem geweih­ten Vor­ste­her, in den Gestal­ten des Wor­tes und der eucha­ris­ti­schen Gaben (Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um Nr.7).” Die Erfah­rung die­ser vier­fa­chen Wei­se der Gegen­wart Chris­ti soll durch unse­re neue Anord­nung von Altar, Ambo, Gemein­de­bän­ken und Pries­ter­sitz erleich­tert wer­den. Chris­tus ist gegen­wär­tig, wo die Kir­che betet und singt” (SC7), d.h. die Gemein­de ist Trä­ge­rin der Fei­er. Und die Gläu­bi­gen — so SC10 — sol­len voll und tätig teil­neh­men (par­ti­ci­pa­tio actuo­sa), bewußt und mit geist­li­chen Gewinn (SC11).

Sie sind nicht pas­si­ve Zuschau­er eines hei­li­gen Gesche­hens, son­dern aktiv Mit­wir­ken­de im gna­den­haf­ten Wesens­aus­tausch zwi­schen Gott und Mensch”. Als sol­che brau­chen sie die Nähe zu den Orten, an denen sich die­ser Wesens­aus­tausch, die­se Com­mu­nio, kon­kre­ti­siert; und sie brau­chen die Nähe zu ein­an­der, die Mög­lich­keit, com­mu­nio auch unter­ein­an­der zu erfah­ren. Dies ver­wirk­li­chen wir in der ellip­sen­för­mi­gen Anord­nung der Bank­rei­hen um einen lit­ur­gi­schen Ereig­nis­raum”, der sowohl den Altar (“Tisch des Bro­tes”) und den Ambo (“Tisch des Wor­tes”) als auch einen zwi­schen die­sen bei­den Polen befind­li­chen Frei­raum” umfaßt Die actuo­sa par­ti­ci­pa­tio” der Gläu­bi­gen äußert sich natür­lich nicht nur in deren Gebet, Gesang, Zei­chen­hand­lun­gen und Aus­drucks­for­men; ein­zel­ne und beauf­trag­te Mit­fei­ern­de tre­ten auch her­vor, um ihren Dienst als Lek­tor, Kan­tor, Kom­mu­ni­on­hel­fer, Minis­trant usw. zu voll­zie­hen. Alle Mit­fei­ern­den ver­wirk­li­chen so, getreu der Lit­ur­gie­re­form, das ihnen Kraft der Tau­fe ver­lie­he­ne all­ge­mei­ne Pries­ter­tum.
Dar­in ste­hen sie mit dem Vor­ste­her der Fei­er auf glei­cher Stu­fe, des­sen Posi­ti­on sich daher räum­lich inmit­ten der ver­sam­mel­ten Gemein­de befin­det. Der Pries­ter hat aber dar­über­hin­aus in der Gemein­de und für sie einen beson­de­ren Dienst zu leis­ten, für den er geweiht und beauf­tragt ist. Dies wird nicht nur in sei­nem her­vor­ge­ho­be­nen Sitz deut­lich — als Pries­ter reprä­sen­tiert er ja Chris­tus in per­so­na­ler Wei­se -, son­dern auch dar­in, daß er im Ver­lauf der Fei­er auf unter­schied­li­che Wei­se her­aus­tritt, um z.B. am Altar oder am Ambo oder auch am Pries­ter­sitz selbst sei­nen beson­de­ren pries­ter­li­chen Dienst wahrzunehmen.

Im mit­ti­gen lit­ur­gi­schen Ereig­nis­raum wer­den die hei­li­gen Hand­lun­gen voll­zo­gen. In ihm ist räum­lich als Zen­trum erfahr­bar, was in der Fei­er der Lit­ur­gie geschenkt wird. Er ist Mit­te als Ort der Hin­wen­dung, als Ort, an dem sich Gott ereig­net”. Als Ellip­se besitzt die­se Mit­te Brenn­punk­te und einen Schwer­punkt. Die bei­den Brenn­punk­te der Ellip­se wer­den in unse­rem Fall von Altar und Ambo besetzt, auf die sich jeweils die Auf­merk­sam­keit der Gläu­bi­gen hinord­net. Nach den Fest­le­gun­gen des II.Vaticanums (vgl.Allg.Einführung ins Meß­buch, AEM) bil­den Wort­got­tes­dienst und Eucha­ris­tie­fei­er die bei­den Haupt­tei­le jenes ein­zi­gen Kul­tak­tes”, den wir die hei­li­ge Mes­se nen­nen. Von daher ergibt sich schon laut AEM eine dop­pel­te Zen­trie­rung lit­ur­gi­scher Orte: der Altar ist der Tisch des Herrn, an dem das Volk Got­tes in der gemein­sa­men Meß­fei­er Anteil hat. Er ist zugleich Mit­tel­punkt der Dank­sa­gung, die in der Eucha­ris­tie­fei­er zur Voll­endung kommt” (AEM 259). Zugleich heißt es: Die Wür­de des Wor­tes Got­tes erfor­dert für sei­ne Ver­kün­di­gung einen beson­de­ren Ort in der Kir­che, dem sich im Wort­got­tes­dienst die Auf­merk­sam­keit der Gläu­bi­gen wie von selbst zuwen­det” (AEM 272). Die­sen Vor­ga­ben ent­spre­chen wir auf sehr dif­fe­ren­zier­te Wei­se: der Altar erhält sein grö­ße­res Gewicht durch sei­ne Aus­ma­ße und Gestal­tung sowie durch die gro­ße kreis­för­mi­ge Stu­fe, auf der er pla­ziert wird; der Ambo wird bedeu­tungs­voll durch sei­ne eigen­stän­di­ge Posi­ti­on im zwei­ten Pol der Ellip­se sowie durch sei­ne Gestal­tung und einen zwei­stu­fi­gen Antritt (der an das frü­her übli­che Hin­auf­stei­gen zum erhöh­ten Lese­pult erin­nern soll). Tisch des Bro­tes und Tisch des Wor­tes bekom­men somit in unse­rem Reno­vie­rungs-kon­zept eine den lit­ur­gi­schen Refor­men ange­mes­se­ne Gestalt und ver­stär­ken damit räum­lich und mate­ri­ell das Bewußt­sein der Mit­fei­ern­den vom Gegen­wär­tig­wer­den Chris­ti in den eucha­ris­ti­schen Gaben eben­so wie im Wort der Hl.Schrift.

Wofür steht jener Frei­raum zwi­schen Altar und Ambo, der nicht ding­lich besetzt ist? Gott offen­bart sich immer in Gestalt; zugleich aber kann jede kon­kre­te Gestalt die­se Gegen­wart Got­tes unter uns stets nur andeu­ten. Gott ist immer grö­ßer und anders als sol­che Gestalt. Von daher gibt es zwar kei­ne Alter­na­ti­ve zur erfahr­ba­ren Gestal­tung” des gött­li­chen Heils­han­delns, gleich­zei­tig müs­sen sol­che Gestal­tun­gen aber als zei­chen­haft ver­stan­den und vor jeder Objek­ti­vie­rung bewahrt wer­den. Nur dadurch tra­gen wir der Frei­heit Rech­nung, in der Gott sich uns offen­ba­ren will und ste­hen zu unse­rer Ohn­macht sowie unse­rem bewuß­ten Ver­zicht, ihn zu mani­pu­lie­ren. Sol­che Offen­heit für den sich in Frei­heit offen­ba­ren­den Gott, sol­che Bereit­schaft, sich auf das Neue und Ande­re Got­tes ein­zu­las­sen, ja die schöp­fe­ri­sche Frei­heit Got­tes selbst, die jeder Beein­flus­sung ent­zo­gen ist, sei­ne Sou­ve­rä­ni­tät, sei­ne Nicht­fest­leg­bar­keit auf irgend­et­was Ding­li­ches, kann zei­chen­haft in der leer­blei­ben­den Mit­te zwi­schen Altar und Ambo zum Aus­druck kom­men. Bleibt die Mit­te frei, ver­weist sie auf den sich schen­ken­den ganz Ande­ren, auf den nicht fest­zu­hal­ten­den Auf­er­stan­de­nen, der auf uns zukommt und inmit­ten sei­ner Gemein­de Woh­nung neh­men will, ihr begeg­nen, ja sich mit ihr einen will.

Die Begeg­nung mit Gott kann nicht unab­hän­gig von der Begeg­nung der Men­schen mit­ein­an­der statt­fin­den. Sie muß viel­mehr in einer Erfah­rungs­ba­sis wur­zeln, in der geleb­ten zwi­schen­mensch­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ansons­ten wird das lit­ur­gi­sche Gesche­hen als Com­mu­nio, als Begeg­nung mit Gott, bezie­hungs­los. Lit­ur­gie ist Zunei­gung Got­tes und ant­wor­ten­de Hin­wen­dung des Men­schen zu ihm und von daher dia­lo­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on. Als sol­che über­steigt sie sym­bo­lisch die all­täg­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­läu­fe, denen sie ent­wächst. Umge­kehrt ist zwi­schen­mensch­li­che Begeg­nung immer schon mehr als bloß mensch­li­ches Be- zie­hungs­ge­sche­hen; sie ist ein Ver­weis auf Gott, der den Men­schen nach­geht und sich erken­nen läßt, wo sie auf ihrem Lebens­weg mit­ein­an­der spre­chen und Mahl hal­ten. Lit­ur­gie braucht also den Com­mu­nio-Raum, in dem die Fei­ern­den Gott und ein­an­der begeg­nen kön­nen. Unser lit­ur­gi­scher Fei­er­raum ent­spricht die­ser For­de­rung in hohem Maße. Wenn wir auf den ellip­tisch ange­ord­ne­ten Bän­ken Platz neh­men, haben wir nicht nur den lit­ur­gi­schen Ereig­nis­raum” vor Augen, son­dern auch vie­le Men­schen im Blick. Und wir sehen sie nicht allein von hin­ten, wie bei der fron­ta­len Rei­hen­ord­nung, son­dern wir sehen sie neben uns und uns gegen­über. Wir kön­nen ein­an­der anse­hen und wahr­neh­men. So schen­ken wir ein­an­der noch vor Beginn der got­tes­dienst­li­chen Fei­er Ach­tung und Anse­hen und erken­nen uns im Blick­kon­takt als Gemein­schaft von Glau­ben­den, Hof­fen­den, Suchen­den, Erwar­ten­den, Pil­gern auf ihrem Lebensweg.

Wir erin­nern uns viel­leicht man­cher Begeg­nung, man­chen Aus­tau­sches von leid­vol­len oder beglü­cken­den Erfah­run­gen, viel­leicht auch man­chen Kon­flik­tes. Wir wer­den uns bewußt, daß wir Gemein­de, Volk Got­tes sind. Nähe, Ver­bind­lich­keit, Zuge­hö­rig­keit kön­nen so wach­sen. Unse­re neue Sitz­ord­nung stellt einen neu­en und hohen Anspruch dar: näm­lich uns als Gemein­de im Mit­ein­an­der zu ent­wi­ckeln, bestehen­de Kon­flik­te mehr aus­zu­tra­gen als zu umge­hen, Unter­schie­de aus­zu­hal­ten und zu tole­rie­ren, einer des ande­ren Last tra­gen” zu wagen und noch mehr auf Got­tes hei­len­de Gegen­wart im Fei­ern der Kir­che zu vertrauen.

Der Ort der Tau­fe ist so kon­zi­piert, daß er ihre Bedeu­tung als Grund­sa­kra­ment sicht­bar macht. Wir stel­len das Tauf­be­cken außer­halb des eucha­ris­ti­schen Fei­er­rau­mes im West­chor der Kir­che auf und brin­gen damit die Vor­gän­gig­keit der Tau­fe vor dem Emp­fang aller ande­ren Sakra­men­te zum Aus­druck. Des­glei­chen sol­len die Schrif­ten­stän­de unter der Orgel­em­po­re die Not­wen­dig­keit der Unter­wei­sung im Glau­ben beto­nen. Der Grund­satz Ohne Glau­ben kei­ne Tau­fe” besagt, daß wir vor der Tau­fe den Glau­ben ken­nen­ler­nen, ver­tie­fen und anneh­men müs­sen. Dies gilt natür­lich auch für das christ­li­che Leben als Getauf­te: immer wie­der bedarf der Glau­be der Ver­tie­fung und Erneuerung.

Das ästhe­tisch-künst­le­ri­sche Kon­zept, lau­tet wie das theo­lo­gisch-lit­ur­gi­sche: die Tra­di­ti­on wah­ren und Neu­es wagen.” So bemü­hen wir uns um eine Wie­der­her­stel­lung ursprüng­li­cher ästhe­ti­scher Gestal­tun­gen (z.B. Ora­to­ri­en­fens­ter, Farb­ge­bung der Stuk­ka­tu­ren), ver­su­chen aber zugleich, alten For­men neue Inhal­te (z.B.Neugestaltung der Ora­to­ri­en­fens­ter, Schlie­ßung der gro­ßen Öff­nun­gen unter­halb der Ora­to­ri­en­ba­lus­tra­den) bzw. alten Inhal­ten neue Form (z.B. Bunt­glas­fens­ter, die sepa­rat gerahmt und vor den vor­han­de­nen Haf­ner-Fens­tern ange­bracht wer­den) zu geben. Schließ­lich set­zen wir ins vor­han­de­ne Haupt­schiff eine zeit­ge­nös­si­sche lit­ur­gi­sche Möblie­rung”, die zwar for­mal streng und line­ar wirkt, sich aber durch edle Mate­ria­len wie Mar­mor und ver­gol­det wir­ken­des Metall schmieg­sam in die vor­han­de­nen Raum­struk­tu­ren ein­paßt. Zen­tra­le Ele­men­te des ästhe­tisch-künst­le­ri­schen Kon­zep­tes sind zudem die Beleuch­tung und ein Kreuz­vor­hang” genann­ter Para­vent am pres­by­te­ria­len Schei­tel des

Haupt­schiffs. Letz­te­rer soll den eucha­ris­ti­schen Fei­er­raum zum Pres­by­te­ri­um und zum mäch­ti­gen Hoch­al­tar hin zwar abgren­zen und so eine Ver­mi­schung der Räu­me ver­hin­dern, zugleich aber wie ein Vor­hang auch auf die­sen wei­te­ren Raum, die­se wei­te­re Mög­lich­keit der Begeg­nung mit Gott — in der pri­va­ten Anbe­tung — verweisen.

Die Beleuch­tung soll durch dimm­ba­re Decken­an­strah­lung den Raum nach oben hin öff­nen und erwei­tern. Durch einen ova­len Ring mit kugel­för­mi­gen Lam­pen, die nach unten ihr Licht abge­ben, soll eine Art Licht­zelt ent­ste­hen, das noch ein­mal — von oben her — die fei­ern­de Gemein­de und den lit­ur­gi­schen Ereig­nis­raum” umhüllt und her­aus­streicht. Auch die­ser ova­le Beleuch­tungs­ring soll sich durch edles Metall und stren­ge Form in den Raum ein­pas­sen, ohne sei­ne Moder­ni­tät auf­zu­ge­ben. In ästhe­ti­scher Hin­sicht sind wir somit durch­wegs auf der Linie der Inte­gra­ti­on, einer ver­söhn­ten und den­noch span­nen­den“ Gemein­schaft des Bestehen­den bzw. wie­der­her­ge­stellt Ursprüng­li­chen mit dem ganz Neu­en und Anderen.

Den Künst­lern, vor allem Herrn Fried­rich Kol­ler, un den Kunst-hand­wer­kern, die dies mit gro­ßem inne­ren Enga­ge­ment und Glau­bens­ernst geschafft und so Schö­nes geschaf­fen haben, sei von Her­zen Dank gesagt!

Zur tech­nisch-prak­ti­schen Sei­te unse­res Kon­zep­tes sei an die­ser Stel­le nur noch soviel gesagt: ent­schei­dend ist für die Reno­vie­rung soli­de Hand­werks­ar­beit nach moder­nen Stan­dards, tech­ni­sche Ein­bau­ten und Abläu­fe, die leicht zu hand­ha­ben sind und unter­schied­li­chen Bedürf­nis­sen ent­spre­chen kön­nen. Als Bei­spiel sei­en hier die elek­tro­tech­ni­schen und akus­ti­schen Anla­gen, aber auch das moder­ne Tem­pe­ri­er-heiz­sys­tem genannt, die alle­samt eine hohe Varia­bi­li­tät und leich­te Steu­er­bar­keit auf­wei­sen. Den betei­lig­ten Fir­men, Fach­leu­ten und Hand­wer­kern ein herz­li­ches Vergelt’s Gott für alle gute Arbeit, die sie – oft genug unter Zeit­druck – geleis­tet haben! Alles tech­nisch-prak­ti­sche Tun, alle Bau­maß­nah­men bedür­fen aber vor allem der Koor­di­na­ti­on, Logis­tik und Über­prü­fung. Tief emp­fun­de­ner Dank hier­für geht an das Bischöf­li­che Bau­re­fe­rat mit H.Herrn Dom­de­kan Franz Sr.Gabriel und beson­ders Herrn Diö­ze­san-bau­meis­ter Josef Lech­ner und Magis­ter Alois Brun­ner, vor allem aber an Herrn Ste­fan Hiendl, Frau Chris­tia­ne Hin­terd­o­bler und Herrn Die­ter Gais­bau­er vom Archi­tek­tur­bü­ro hiendl + part­ner, die sich unse­rer Reno­vie­rungs­an­lie­gen in jeder Hin­sicht – auch spi­ri­tu­ell – zu eigen gemacht und Her­vor­ra­gen­des geleis­tet haben!


© Dr. Josef Wimmer