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106a info-icon-20px © Foto: Rudolf Lenz

Pfarrkirche St. Anton

Flugbild St.Anton
HC9V+J4 Passau
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Ansicht von der Pfarrkirche St. Anton
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Ein Wort zuvor

Die Pfar­rei St. Anton, mit fast 4500 See­len die größ­te in der Bischofs­stadt Pas­sau, umfaßt drei Kir­chen und vier Kapel­len, in denen regel­mä­ßig Got­tes­diens­te gefei­ert wer­den. Inner­halb des Pfarr­spren­gels befin­den sich außer­dem noch die evan­ge­li­sche Frie­dens­kir­che sowie die Kir­che der Baptistengemeinde.

Es war seit lan­gem ein Anlie­gen, wenigs­tens die katho­li­schen Kir­chen und Kapel­len in Wort und Bild vor­zu­stel­len. R. Gus­tav Gais­bau­er hat dazu den ent­schei­den­den Anstoß gege­ben und in lan­ger Vor­be­rei­tung die schon vor­han­de­ne Lite­ra­tur sowie vie­le bis­her unbe­kann­te Quel­len für die Erstel­lung eines Kir­chen­füh­rers aus­ge­wer­tet. Er hat das Mate­ri­al eben­so bereit­ge­stellt wie Peter Dafin­ger das pro­fes­sio­nel­le Bild­pro­gramm.
Es zeig­te sich bald, daß vor allem für die neu gestal­te­te Kir­che St. Anton und für die im moder­nen Stil erbau­te Fili­al­kir­che Chris­ti Him­mel­fahrt eine her­kömm­li­che Beschrei­bung unge­nü­gend und daher manch erklä­ren­des Wort ange­bracht wäre.
Des­halb hat Pfar­rer Dr. Josef Wim­mer wesent­li­che Abschnit­te ein­ge­fügt, die dem Besu­cher theo­lo­gi­sche, lit­ur­gi­sche und seel­sorg­li­che Gedan­ken nahe­brin­gen – ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Neu­ge­stal­tung von St. Anton. So ist schließ­lich im gemein­sa­men Bemü­hen eine Schrift ent­stan­den, die nicht nur durch Kirchen‑, son­dern auch durch geis­tig-geist­li­che Räu­me führt und sich daher im Text wie in der Gestal­tung von gän­gi­gen Kir­chen­füh­rern unterscheidet.

© Franz Mader, Stadtheimatpfleger

Ent­ste­hung und Geschich­te der heu­ti­gen Pfar­rei
Die Drei­flüs­se­stadt Pas­sau zählt wegen ihrer beson­de­ren geo­gra­fi­schen Lage am Zusam­men­fluß von Donau, Inn und Ilz und
wegen ihrer mehr als zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te zu den
schöns­ten und ältes­ten Städ­ten Deutsch­lands. Die Stadt mit der
Dom­pfar­rei St. Ste­phan und der Bür­ger­pfar­rei St. Paul war vor 1803
Sitz eines Fürst­bi­schofs, des­sen welt­li­che Macht jedoch damals
schon an der west­li­chen Stadt­mau­er ende­te. Vor dem Tor, schon
auf

baye­risch-kur­fürst­li­chem Gebiet, lag das Augus­ti­ner­chor­her­ren­stift St. Niko­la mit sei­ner aus­ge­dehn­ten Klos­ter­pfar­rei. Als das Stift im Zuge der Säku­la­ri­sa­ti­on mit 21.3.1803 auf­ge­ho­ben wur­de, kam sein Pfarr­ge­biet zur Stadt­pfar­rei St. Paul, die dadurch west­wärts bis zum Neu­bur­ger Wald und bis vor die Pfar­rei Hei­ning reich­te. Das neue Pfarr­ge­biet war wei­ter drau­ßen vor­wie­gend mit Ein­zel­hö­fen besie­delt, was sich aber unter ande­rem nach dem Bahn­bau ab 1860 änder­te. Die Stadt dehn­te sich über die Wind­schnur hin­aus in Rich­tung Hai­den­hof so aus, daß der Weg zur Pfarr­kir­che St. Paul bald meh­re­re Kilo­me­ter betrug. Des­halb wur­de der Koope­ra­tor von St. Paul, Franz Paul Maidl, 1903 beauf­tragt, die seit 1900 ange­dach­te Grün­dung einer neu­en Pfar­rei in der Gemar­kung Hai­den­hof in die Wege zu lei­ten. Er hat die­se Auf­ga­be mit gro­ßem Ein­satz über Kir­chen­bau und Expo­si­tur­ge­mein­de zügig gelöst, so daß am 4.Mai 1913 St. Anton von Prinz­re­gent Luit­pold zur Stadt­pfar­rei erho­ben und am 24.Juli

1913 die­se durch Bischof Sigis­mund Felix, Frei­herr von Ow-Fell­dorf, auch kano­nisch errich­tet wer­den konn­te. Franz Paul Maidl war bis zu sei­nem Tod 1951 ersterPfar­rer. Sein Pfarr­spren­gel war der größ­te Teil der ehe­ma­li­gen Klos­ter­pfar­rei St. Niko­la bis hin zum Neu­bur­ger Wald. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg ent­stand in die­sem süd­west­lichs­ten Teil der Stadt das aus­ge­dehn­te Wohn­ge­biet Hai­den­hof, für das am 1.2.1965 die Pfar­rei St. Peter errich­tet wur­de. Dazu hat­te St. Anton mehr als die­Hälf­te sei­nes Gebie­tes abzu­tre­ten. Zurück blieb die heu­ti­ge Pfar­rei St. Anton mit der Kir­che auf dem Berg­rü­cken und der Gemein­de bei­der­seits hin­ab bis zu den Flüs­sen Donau und Inn.

© Hans Reitzner

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St. Anton war der ers­te Kir­chen­bau zur Seel­sor­ge in einem neu­en Wohn­be­zirk außer­halb des mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­be­reichs. Ent­spre­chend groß war die Anteil­nah­me von Außen­ste­hen­den und Betrof­fe­nen in Wort und Schrift. Der am 10.6.1903 gegrün­de­te Kir­chen­bau­ver­ein St. Anto­ni­us – resi­die­ren­der Bischof war seit 1901 Anto­ni­us von Hen­le – sah sich man­cher For­de­rung nach

Mit­be­stim­mung gegen­über und hat­te letzt­lich 1907 noch einen kon­kur­rie­ren­den Kir­chen­bau­ver­ein Hai­den­hof abzu­weh­ren, des­sen­Zie­le aber vom Bischof abge­lehnt wur­den. Bei der Beur­tei­lung mög­li­cher Bau­plät­ze, zuerst am donau­sei­ti­gen Hang des Wind­schnur­berg­rü­ckens, war dem Ver­ein und sei­nem Vor­sit­zen­den Paul Maidl schon Schott zur Hand. Johann Bap­tist Schott (18531913), als Archi­tekt in Mün­chen ansäs­sig, hat in sei­ner Schaf­fens­zeit allein im sakra­len Bereich 45 Kir­chen­neu­bau­ten und 34 Umbau­ten durch­ge­führt. In der Lan­des­haupt­stadt kaum zum Zug­ge­kom­men, arbei­te­te er im wesent­li­chen im Bereich dörf­li­cher Sakral­bau­ten, wobei ihm sei­ne guten Bezie­hun­gen zu den bischöf­li­chen Stel­len in Mün­chen, Regens­burg und vor allem Pas­sau zugu­te kamen, wo er fast ein Haus­ar­chi­tekt der Pas­sauer­Diö­ze­se“ wur­de. Neben sei­nem Haupt­werk, der Basi­li­ka von
Alt­öt­ting, waren die Stadt­kir­chen von Zwie­sel, Wei­den und Pas­sau St. Anton sei­ne größ­ten Auf­trä­ge. Die Pla­nung für St. Anton stand im Zusam­men­hang mit der Ent­wick­lung und Gestal­tung neu­er Bau­quar­tie­re“ durch Schott: Die Kir­chen­pro­jek­te soll­ten mit der gleich­zei­tig geplan­ten, angren­zen­den Bebau­ung als Ensem­ble städ­te­bau­lich zusam­men­ge­faßt und her­vor­ge­ho­ben wer­den. Im bewuß­ten Anschluß an his­to­ri­sche Weich­bil­der waren die Vor­stadt­kir­chen inner­halb neu­er Bau­ge­bie­te als gut sicht­ba­re Zen­tren der neu­en Ver­kehrs- und Sied­lungs­schwer­punk­te gedacht. In Ver­fol­gung die­ser Leit­li­nie steht St. Anton auf Fern­wir­kung kon­zi­piert schon von wei­tem wahr­nehm­bar auf dem Berg­rü­cken, lehnt sich aber im Archi­tek­tur­stil an das im Stadt­bild vor­herr­schen­de Barock von Dom, St. Paul, St. Micha­el und Maria­hilf an. Maidl schreibt in sei­ner
Pfarr­ge­schich­te, die Barock­form sei auch des­halb gewählt wor­den,
weil sich die­se natur­ge­mäß in das Pas­sau­er Land­schafts­bild mit
sei­nen anstei­gen­den Hügeln und zer­ris­se­nen Tälern schön
ein­glie­dert“. Aller­dings soll­te die Kir­che in einem Ensem­ble nach
Schott in opti­scher Wech­sel­wir­kung mit einer eben­falls von ihm
geplan­ten Sied­lung von 25 ein­ge­scho­ßi­gen Ein­fa­mi­li­en­häu­sern
ste­hen, was lei­der nicht rea­li­siert wur­de — mit der Fol­ge des heu­ti­gen
stil­lo­sen Umfel­des.
Wäh­rend der end­gül­ti­ge Stand­ort erst im Juni 1908 fest­ge­legt
wur­de, war der Archi­tek­tur­plan bereits im Febru­ar 1905
aus­ge­ar­bei­tet. Die zugrun­de geleg­te exak­te Ellip­se mit in
Längs­rich­tung ange­schlos­se­nem, qua­dra­ti­schem Vor­der- und
Hin­ter­schiff ent­wi­ckel­te sich aus der Vor­stel­lung Maidls von einer
Pfei­lerwand­an­la­ge ana­log St. Paul und ande­rer­seits sei­nem Wunsch
nach einem Rotun­den-Zen­tral­raum mit frei­er Sicht auf alle Altä­re.
Obwohl die beschränk­ten Finanz­mit­tel zur Plan­ver­ein­fa­chung
zwan­gen, gelang Schott eine aus­ge­wo­ge­ne, har­mo­ni­sche
Raum­lö­sung in Anleh­nung an baro­cke For­men. Schotts Erfolg und
Selbst­ver­ständ­nis als Auf­trags­ar­chi­tekt basier­te ja auf sei­nem rou­ti­nier­ten Umgang mit ver­schie­de­nen Stil­lö­sun­gen. Wäh­rend er in
Alt­öt­ting baro­ckes Inne­res bau­te, ver­ein­bar­te er mit Maidl für die
Aus­stat­tung der Anto­ni­us­kir­che klas­si­zis­ti­sches Empi­re (Lou­is-sei­ze
Stil der 1780er Jah­re) und bat um Ter­min­auf­schub, damit ich sach­te aus dem 17. ins 18.Jahrhundert glei­ten kann und nicht plötz­lich vom Barock ins Empi­re flie­gen muß“. Klas­si­zis­ti­sche Empi­re­for­men für die Innen­ge­stal­tung der Kir­che zu kon­zi­pie­ren dürf­te auch in der Absicht begrün­det gewe­sen sein, das vor­ge­se­he­ne Bild- und Aus­stat­tungs­pro­gramm durch spar­sam flä­chi­ge Deko­ra­ti­ons­mit­tel und nuan­cier­te Farb­ge­bung beson­ders her­vor­zu­he­ben. Maidl gewann für die Altar­bil­der und den Kreuz­weg den im christ­li­chen Kunst­schaf­fen der dama­li­gen Zeit sehr bekann­ten Geb­hard Fugel (18631938), der sei­ne Arbei­ten eben­so erst im Lau­fe der Jah­re ein­brach­te wie die ande­ren Künst­ler und Werk­meis­ter, denn nach der Bene­dik­ti­on im Dezem­ber 1910 war man froh, in einer noch weit­ge­hend lee­ren Kir­che doch schon
Got­tes­dienst fei­ern zu kön­nen. Wie lan­ge es über den Ers­ten Welt­krieg hin­weg dau­er­te, bis der Kir­chen­raum sein im Bild gezeig­tes Aus­se­hen hat­te, zeigt die Zeit­ta­fel für die Ein­brin­gung der Gegen­stän­de, für die Schott im Sin­ne eines Gesamt­kunst­wer­kes noch alle Ent­wür­fe lie­fer­te und für die nach sei­nem Tod am 14.7.1913 sein Paten­kind, lang­jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter und Fir­men­nach­fol­ger Archi­tekt Anton Wag­ner ver­ant­wort­lich zeich­ne­te.
12.1910 Bene­dik­ti­on
11.1911 Anbrin­gung der Kreu­zi­gungs­grup­pe (mit Schmer­zens­mut­ter)
05.1914 Auf­stel­lung des Tauf­steins
07.1914 Auf­stel­lung der zwei Beicht­stüh­le
12.1916 Ein­wei­hung der Kan­zel
07.1921 Fer­tig­stel­lung der Decken­ge­mäl­de
09.1922 Ein­rich­tung der Krie­ger­ge­dächt­nis­ka­pel­le
01.1923 Lie­fe­rung des Kreuz­we­ges
08.1923 Fer­tig­stel­lung des Hoch­al­ta­res
08.1923 Instal­la­ti­on der Orgel
10.1923 Kon­se­kra­ti­on der Kir­che
09.1925 Auf­stel­lung der Sei­ten­al­tä­re
01.1926 Ein­rich­tung der Tauf­ka­pel­le
12.1926 Ein­bau d. Eli­sa­beth­fens­ters
03.1927 Ein­bau des Josephfensters

© Franz Paul Maidl