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Grundsteinlegung mit Bischof Sigismund Felix info-icon-20px Foto: © Pfarrei St. Anton

Baugeschichte Pfarrkirche St. Anton I

4 Skizzen von Architekt Anton Wagner
4 Skizzen von Architekt Anton Wagner
Platzhalter für Josef Bader
Bauskizze von Architekt Schott

Die Grund­stein­le­gung fand am 16. Mai 1909 bei herr­lichs­tem Wet­ter statt. Eine unüber­seh­ba­re Schar von Fest­teil­neh­mern fand sich ein. Das Pro­gramm war fol­gen­des: Sams­tag, 15. Mai, abends 8 Uhr: Kreuz­set­zungs­fei­er an der Stel­le des künf­ti­gen Hoch­al­tars mit Musik, Gesang, Beleuch­tung und Feu­er­werk. Die Musik stell­te eine Abtei­lung der Regi­ments­ka­pel­le, Herr Haupt­leh­rer (jetzt Ober­leh­rer) Schnei­der lei­te­te den Gesang­schor, die Beleuch­tung des Fest­plat­zes mit gro­ßem Feu­er­werk wur­de von Herrn Buch­hal­ter Engert durchgeführt.

Die Fir­ma Pau­li mon­tier­te das 6 m hohe und 4 m brei­te Kreuz mit 150 elektr. Glüh­lich­tern. Die sämt­li­chen Gebäu­de von Spitz­berg und Wind­schnur hat­ten Flag­gen­schmuck ange­legt und prang­ten in fest­li­cher Beleuchtung.

Am Sonn­tag, den 16. Mai selbst beweg­te sich der Fest­zug vom Bau­platz auf­wärts zur Hoch­stra­ße nach dem Spitz­berg her­un­ter zum Sankt Josephs­heim. Hier schloß sich die Geist­lich­keit mit Ver­tre­tern des Dom­ka­pi­tels an. Von da aus wur­de der mit Tan­nen­grün geschmück­te Grund­stein mit­ge­tra­gen. An dem Zuge betei­lig­ten sich außer den Kin­dern die Ver­ei­ne der Stadt, dar­un­ter 15 mit Fahnen.

An der Ehren­pfor­te beim Bau­platz – dort war eine Hal­le errich­tet wor­den – wur­de der Hoch­wür­digs­te Herr Bischof Sigis­mund Felix erwar­tet und nach Begrü­ßung durch 2 Kin­der in die Hal­le geleitet.

Es erfolg­te sofort die Wei­he des Grundsteins.

Der Vor­sit­zen­de des Kir­chen­bau­ver­eins ver­las dann die Urkun­de, wel­che mit dem Grund­stein in die Erde ein­ge­mau­ert wur­de. Der Stein – er fin­det sich in der Pres­by­te­ri­ums­mau­er auf der Evan­ge­li­en­sei­te hin­ter dem Hoch­al­tar – wur­de sodann ein­ge­senkt und unter Böl­ler­schüs­sen erfolg­te die Zere­mo­nie des Ham­mer­schla­ges. In den Grund­stein ein­ge­legt sind eini­ge Geld­mün­zen, eine kur­ze Bau­ge­schich­te und die Per­ga­men­tur­kun­de über die Grund­stein­le­gung selbst.

Die­se Urkun­de wur­de unter­zeich­net vom Hochw. Herrn Bischof, Bür­ger­meis­ter Hof­rat Mug­gen­tha­ler, Gemein­de­kol­le­gi­ums­vor­stand Egger, Dom­de­kan und Prä­lat Alte­ne­der, Stadt­pfar­rer Stad­ler, Stadt­pfarr­ko­ope­ra­tor Maidl und Archi­tekt Schott. In die­ser Rei­hen­fol­ge wur­den dann auch, nach­dem der Bischof eine Mar­mor­plat­te mit dem Kreuz aus dem Grund­stein fest­ge­macht hat­te, vom Bischof und den übri­gen genann­ten Her­ren die Ham­mer­schlä­ge vollzogen.

Nach der Bene­dik­ti­on des gan­zen Umkrei­ses der Fun­da­men­te durch den Dom­de­kan und Gene­ral­vi­kar Alte­ne­der hielt Bischof eine Anspra­che. Er ver­lieh sei­ner Freu­de dar­über Aus­druck, daß das schö­ne Werk nach vie­ler Arbeit nun end­lich soweit gedie­hen sei. Er hege die Hoff­nung, daß die neue Kir­che nach ihrer Voll­endung eine Stät­te wer­de, aus der stets echt katho­li­scher Glau­be, kind­li­che Got­tes­furcht und brü­der­li­che Lie­be entspringe.

Bei der fol­gen­den Pon­ti­fi­kal­mes­se besorg­ten die Alum­nen des Kle­ri­kal­se­mi­nars und eine Abtei­lung der Regi­ments­ka­pel­le den gesang­li­chen und musi­ka­li­schen Teil. Nach der Pon­ti­fi­kal­mes­se und dem Bischöf­li­chen Segen erklang ein dan­ker­füll­tes »Gro­ßer Gott« zum Him­mel, der das Werk bis­her mit sei­nem Segen beglei­tet hat­te. Die welt­li­che Fei­er zum Abschluß des Fes­tes fand nachm. 4 Uhr im Schme­rold­kel­ler statt. Die wei­ten Räu­me erwie­sen sich als viel zu klein. Es kon­zer­tier­ten 24 Mann der Regi­ments­ka­pel­le; außer­dem wur­de das sinn­rei­che Kin­der­spiel: »Bil­der zum Kir­chen­bau« (4 Sze­nen ver­faßt und gelei­tet von Mater Isa­bel­la Peu­tin­ger, jet­zi­ge Ober­leh­re­rin im Klos­ter Freu­den­hain) auf­ge­führt. Das her­zi­ge Spiel mach­te gro­ßen Ein­druck auf die Fest­teil­neh­mer und för­der­te die Sache des Kir­chen­bau­ver­eins sehr.

Die Urkun­de im Grund­stein hat fol­gen­den Wortlaut:

Im Namen der aller­hei­ligs­ten Drei­fal­tig­keit. Gelobt sei Jesus Chris­tus! In Ewig­keit. Amen! Im Jah­re des Hei­les unse­res Herrn Jesu Chris­ti 1903 am 10.Juni wur­de auf Anre­gung Sei­ner Bischöf­li­chen Gna­den des Hoch­wür­digs­ten Herrn Anto­ni­us von Hen­le­un­ter Betei­li­gung meh­re­rer Mit­glie­der des Hoch­wür­digs­ten Domkapitels,darunter Sei­ne Gna­den der Hoch­wür­digs­te Herr Dom­de­kan und Prä­lat Max Jose­phAltene­der sowie 42 Män­ner, in den Räu­men des Peschlkel­lers durch den Stadt­pfarr-koope­ra­tor von St. Paul, Franz Paul Maidl, der Kir­chen­bau­ver­ein St. Anto­ni­us gegrün­det. Zweck des Ver­eins soll­te sein die Erbau­ung ein­er­Kir­che und die Errich­tung einer Seel­sorgs­stel­le im Gebie­te der ehe­ma­li­gen­Klos­ter­pfar­rei St. Nikola.

Der hei­li­ge Bischof Alt­mann hat­te im Jah­re 1067 Kir­che und Klos­ter zu Ehren der hl. Andre­as, Pan­ta­le­on und Niko­laus erbaut, bevöl­ker­te es mit Augus­ti­ner Chor­her­ren und gab dem Klos­ter pfarr­li­che Rech­te über den gan­zen Bezirk außer­halb der Mau­ern der Stadt Pas­sau vom Inn bis zur Donau.

Nach­dem 1804 das Klos­ter aus­ge­ho­ben und die Kir­che 1809 in ein Maga­zin ver­wan­delt wur­de, kam im glei­chen Jah­re St. Niko­la zur Pfar­rei St. Paul. 

Dadurch hat­te die Pfar­rei Sankt Paul eine wei­te Aus­deh­nung erhal­ten. Im Jah­re 1908 betrug die See­len­zahl der­sel­ben mit Ein­schluß der ehe­ma­li­gen Pfar­rei St. Niko­la bereits 10 450

Die Not­wen­dig­keit der Grün­dung einer neu­en Seel­sorgs­stel­le und die Erbau­ung einer Kir­che an den west­li­chen Aus­läu­fen des Spitz­ber­ges in grö­ße­rer Nähe der neu­an­ge­sie­del­ten, zahl­rei­chen Bahn­be­völ­ke­rung war gegeben.

Der Kir­chen­bau fand denn auch nach den Plä­nen des Herrn Archi­tek­ten Johan­nes Schott in Mün­chen am 29. Sep­tem­ber 1907 die Aller­höchs­te und am 29. Juli 1908 die bau­po­li­zei­li­che Genehmigung.

So konn­te am 18. Sept. 1908, am Tage des 50jährigen Pries­ter­ju­bi­lä­ums Sei­ner Hei­lig­keit des Paps­tes Pius X, der ers­te Spa­ten­stich durch Auf­wer­fen von zwei Schürf­gru­ben gemacht und am 10. Novem­ber 1908 mit den Erd­ar­bei­ten begon­nen wer­den, dem­nach im Jah­re des Herrn 1909 / genau 100 Jah­re nach Auf­he­bung der Pfar­rei St. Niko­la / im 1172. Jah­re nach Auf­rich­tung des Bischöf­li­chen Stuh­les zu Pas­sau, im 104. Jah­re nach der Erhe­bung Bay­erns zum König­rei­che, im 39. Jah­re nach der Wie­der­auf­rich­tung des Deut­schen Rei­ches, unter dem Paps­te Pius X. im 6. Jah­re sei­nes Pon­ti­fi­ka­tes / und unter der Regie­rung des Königs Otto I. von Bay­ern / als in des­sen Ver­tre­tung Prinz Luit­pold die Ver­we­sung des Lan­des führ­te / im 21. Jah­re der Regie­rung des deut­schen Kai­sers Wil­helm II., als in der Stadt Pas­sau Bür­ger­meis­ter war der Kgl. Hof­rat Herr Josef Mug­gen­tha­ler und in der Pfar­rei St. Paul Stadt­pfar­rer Herr Johann Bap­tist Stad­ler, hat unter Assis­tenz des hohen Dom­ka­pi­tels / der städ­ti­schen Behör­den sowie zahl­rei­cher Pries­ter der Stadt Pas­sau und der Alum­nen des Bischöf­li­chen Kle­ri­kal­se­mi­nars die­sen Grund­stein geweiht, ein­ge­setzt und geseg­net Sei­ne Bischöf­li­che Gna­den der hoch­wür­digs­te Herr Sigis­mund Felix, Frei­herr von Ow-Fell­dorf durch Got­tes Erbar­mung und des Apos­to­li­schen Stuh­les Gna­de Bischof von Pas­sau / S. S. Theo­lo­giae Dok­tor / Haus­prä­lat und Thron­as­sis­tent Sei­ner Päpst­li­chen Hei­lig­keit / Comes Roma­nus / Kgl. Bay­er. Käm­me­rer, im Jah­re sei­nes sil­ber­nen Priesterjubiläums.

Die­se Urkun­de / mit den Namens­un­ter­schrif­ten der ange­se­hens­ten Teil­neh­mer und mit dem Bischöf­li­chen Sie­gel ver­se­hen / ist wäh­rend des Aktes der Wei­he und Ein­set­zung die­ses Grund­stei­nes in die­se Grund­mau­ern sorg­fäl­tig ver­schlos­sen worden.

Und so daue­re, ste­he und pran­ge durch die kom­men­den Jahr­hun­der­te die­se Kir­che zur Ehre Got­tes und des hl. Anto­ni­us, des Wun­der­man­nes, zum Hei­le des gläu­bi­gen Vol­kes, zum Segen unsterb­li­cher Seelen!

Amen! Amen!

Pas­sau, am 16. Mai 1909.

Auf die­sen Fest­tag folg­ten wie­der Tage der Arbeit:

Die Beton- und Erd­ar­bei­ten bei der Sakris­tei wur­den fort­ge­setzt vom 17. bis 24. Mai 1909. Vom 25. bis 31. Mai wur­den die Beton­mau­ern beim Turm fertiggestellt.

Es wur­den nun­mehr die Mau­rer- und Zie­gel­bau­ar­bei­ten sub­mit­tiert. Unter den acht ein­ge­lau­fe­nen Ange­bo­ten wur­de dem Bau­ge­schäft Capel­la­ro-Pas­sau der Zuschlag erteilt um den Betrag von 59 869,10 Mark. Am Pfingst­diens­tag, 1. Juni, nach­mit­tags 1 Uhr, fing Capel­la­ro zu rüs­ten an.

Nach­mit­tags 4.30 Uhr kam der ers­te Zie­gel­trans­port mit 400 Stück Zie­gel bei einer Fahr­zeit von 10 Minu­ten mit­tels elek­tri­scher Roll­bahn von der Zie­gel­fa­brik Dafin­ger-Sailerwöhr, her­auf über den Berg, zur Bau­stel­le am westl. Haupt­por­tal. Von dort führ­te ein Gelei­se ins Inne­re der Kirche.

Die Lie­fe­rung der Zie­gel (Back­stei­ne) über­nahm der K.-B.-V. selbst durch einen mit der Fa. Dafin­ger abge­schlos­se­nen Ver­trag. Durch das Ent­ge­gen­kom­men Dafin­gers konn­te bei den Trans­port­kos­ten eine erkleck­li­che Sum­me ein­ge­spart werden.

Zie­gel­lie­fe­rungs­ver­trag mit Fir­ma Dafinger:

1. Bay­er. Zie­gel­maß 29 cm lang, 14 cm breit, 7 cm dick;
2. Preis per Tau­send 24.50 Mk.;
3. Lie­fe­rungs­quan­tum 700 000;
4. Täg­lich sind 8000 Stei­ne zu lie­fern; 5. Die Trans­port­kos­ten für die elek­tri­sche Roll­bahn betra­gen pro Tau­send 3.– Mk.

Am 2. Juni, nachm. 4 Uhr, wur­de an dem lin­ken Gewän­de des west­li­chen Haupt­por­tals der ers­te Zie­gel angelegt.

Es waren bis zu 16 Mau­rer und 22 Tag­löh­ner beschäftigt.

Bei der Sub­mis­si­on der Zim­mer­manns­ar­bei­ten erhielt das Bau­ge­schäft Kief­fer-Pas­sau unter den zehn ein­ge­lau­fe­nen Ange­bo­ten den Zuschlag um den Betrag von 11 080,50 Mk.

Am 30. August fing Bau­meis­ter Kief­fer an, für den Dach­stuhl Holz anzu­fah­ren. Am 1. Sep­tem­ber vor­mit­tags 9.30 Uhr wur­den die ers­ten Bal­ken bei strö­men­dem Regen aufgezogen.

Am Sams­tag, den 18. Sep­tem­ber ist ohne jeg­li­chen Unfall die Spar­ren­la­ge am Dach­stuhl fer­tig gestellt.

Am Nach­mit­tag des 18. Sep­tem­ber 1909 grüß­te der geschmück­te Dach­stuhl die Teil­neh­mer am Richt­fest und an der Hebebaumfeier.

Zim­mer­po­lier Hof­bau­er spricht den Hebebaumspruch:

»Wenn Er nicht baut, der Herr des Lebens, Dann ist alle Müh und Arbeit ver­ge­bens.
Drum gib, o Gott, du dei­nen Segen, Zum Wer­ke heut und allerwegen!«

Abends fand im Kirntha­le­ri­schen Gast­haus (jetzt Neu­bur­ger­stra­ße 1a) die Hebe­baum­fei­er statt: An dem First­bie­re betei­lig­ten sich 28 Arbei­ter (Mau­rer, Zim­mer­leu­te und Tag­löh­ner) nebst den bei­den Polie­ren Icha und Hof­bau­er und dem Bau­füh­rer Ertl. Jeder bekam: vier Liter Bier (die jeder gut ver­tra­gen konn­te), Schweins­bra­ten mit Gemü­se, drei Brot und drei Zigarren.

Außer­dem hat­te sich der Kir­chen­bau­ver­eins­aus­schuß voll­zäh­lig ein­ge­fun­den, näm­lich die Her­ren: Heindl Theo­dor, Dingl­rei­ter Joh., Eich­ber­ger Max, Merz­bach Hubert, Gras­wald Mat­thi­as, sowie der Chro­nist und Pro­fes­sor Matth. Gras­wald. Der Abend ver­lief in fro­her, gemüt­li­cher Wei­se Dach­de­cker­meis­ter Her­mann Hau­brich, Pas­sau, Bahn­hof­stra­ße, bekam durch Ver­trag vom 15. August 1909 die Aus­füh­rung der Dach­de­cker­ar­bei­ten um die Sum­me von 3165 Mk.

Den Trans­port über­nah­men in dan­kens­wer­ter Wei­se kos­ten­los die Fuhr­werks­be­sit­zer der Gemein­de Haidenhof.

Am 30. Sep­tem­ber began­nen die Ein­de­ckungs­ar­bei­ten, am 27. Okto­ber war man damit fer­tig. – Gleich­zei­tig wur­den die Mau­rer­ar­bei­ten am Turm und an den Gie­beln west­lich und nörd­lich fortgesetzt.

Speng­ler­meis­ter Xaver Hagn in Pas­sau-Inn­stadt, Leder­er­gas­se, bekam den Zuschlag um den Betrag von 10 254 Mk. Er begann sei­ne Arbeit am 7. Okto­ber. Im Juli 1917 (Welt­krieg) droh­te der kup­fer­nen Turm­kup­pel Gefahr durch Ent­eig­nung und Ablie­fe­rung des Kup­fers für Kriegs­zwe­cke. Gott sei Dank, kam die Abnah­me nicht mehr zur Durchführung.

Bau­meis­ter Kief­fer fing am 18. Okto­ber mit 6 – 8 Mann am Turm­dach­stuhl zu arbei­ten an.

Gera­de zur rech­ten Zeit noch wur­den 8 Zim­mer­leu­te mit dem Ver­scha­len der Turm­kup­pel fer­tig, denn am 11. Novem­ber fing es stark zu reg­nen und zu schnei­en an; am 12. Novem­ber ging ein arges Unwet­ter über die Wind­schnur nie­der, nach­mit­tags riß der Sturm vom Wind­brun­nen neben der Kir­che das Schwung­rad herunter.

Das Kir­chen­dach muß­te die ers­te Wind­pro­be durch­ma­chen, die es aber nicht gut bestan­den hat. Nach die­sen stür­mi­schen Novem­ber­ta­gen 1909 rich­te­te sich der Speng­ler Hagn das Gerüst am Turm zurecht und fing mit sei­nem Sohn am 16. Novem­ber an, die Turm­kup­pel mit Kup­fer einzudecken.

In den nächs­ten Tagen wur­den noch klei­ne Bau­ar­bei­ten voll­zo­gen, so: Auf­stel­len des Sakris­tei-dach­stuh­les, Ein­mau­ern des Sakris­tei­gie­bels bei 8 Grad Käl­te, Auf­schla­gen der Ora­to­ri­ums-dach­stüh­le. – Trotz Schnee und Wind wur­de tap­fer wei­ter­ge­ar­bei­tet. Der an sich mil­de Win­ter 1909-10 ließ es zu, daß vom 1. Dezem­ber 1909 bis 1. Febru­ar 1910 der Turm ein­ge­schalt und ein­ge­deckt wer­den konnte.

Nun gings an das Inne­re des Bau­es. Viel Arbeit und größ­te Umsicht erfor­der­te die Her­stel­lung des Kir­chen­ge­wöl­bes »Rabitz­ge­wöl­be«. Bei Her­stel­lung des Gewöl­bes wur­de die sogen. Monir’­sche Bau­wei­se ange­wen­det, die durch Ein­le­gen von Draht­ge­flech­ten und Eisen­stä­ben sehr trag­fä­hi­ge und weit­span­nen­de, leich­te Beton­bau­ten ermög­licht. Das Eisen hat die in der Kon­struk­ti­on auf­tre­ten­den Zug- und Schub­span­nun­gen auf­zu­neh­men. Die­se Bau­wei­se zeich­net sich durch Feu­er­si­cher­heit, gerin­gen Raum­be­darf, rasche und ver­hält­nis­mä­ßig bil­li­ge Aus­füh­rung aus. Sie bil­det die Grund­la­ge aller moder­nen Eisen­be­ton­kon­struk­tio­nen, spe­zi­ell für Gewöl­be, nach dem Erfin­der Rabitz. Das Rabitz­ge­wöl­be ist kon­struk­tiv so ange­legt, wie die Lehr­bö­gen bei einem gemau­er­ten Gewöl­be, weil dadurch die Form des Gewöl­bes bestimmt wird und durch die­ses fes­te Eisen­ge­rip­pe beim Aus­gleich der Span­nun­gen Defor­ma­tio­nen, unglei­che Schub­wir­kung u. dgl. ver­hin­dert wer­den. Dadurch ist das Gewöl­be auch imstan­de sich selbst zu tra­gen, abge­se­hen davon, daß es mit Eisen­stä­ben am Dach­stuhl ver­knüpft ist. Das Rabitz­ge­wöl­be unse­rer Kir­che ist 7 cm stark, mit Kon­struk­ti­ons­ge­rip­pe von 8 – 34 mm Rund­ei­sen, ver­zink­tem Draht­ge­we­be, unte­rem Fein­ver­putz und obe­rem Aus­gie­ßen gefer­tigt. Alles Eisen und Draht­ge­we­be ist in 1a Mör­tel ein­ge­bet­tet. Die Gurtbö­gen, Richt­kap­pen, Dia­go­na­le und dergl. Trag­li­ni­en sind mit 26 – 34 mm Rund­ei­sen aus­ge­bil­det, sodaß, wie beim gemau­er­ten Gewöl­be, die zwi­schen­lie­gen­den Kap­pen von die­sen Kon­struk­ti­ons­glie­dern auf­ge­nom­men und getra­gen wer­den. Das Gewöl­be ist mit 170 kg Gewicht pro qm bei der sta­ti­schen Berech­nung des Dach­stuh­les ange­setzt. Archi­tekt Schott hat in der Markt­kir­che zu Obern­zell 1887 zum ers­ten­mal das Rabitz­ge­wöl­be angewendet.

Von den drei ein­ge­lau­fe­nen Ange­bo­ten bekam Josef Wag­ner, Stuk­ka­teur­ge­schäft – damals Pas­sau-Alt­stadt – den Zuschlag für die Her­stel­lung des Gewölbes.

Für die Stuk­kie­rung des Gewöl­bes und die Bild­hau­er­ar­bei­ten. Zuschlag für die Stuk­kar­bei­ten erhält Wag­ner Josef um den Betrag von 4455 Mk., für die Bild­hau­er­ar­bei­ten Vik­tor Hau­ber, Pas­sau-Inn­stadt um 3765 Mk.

Am 29. April begin­nen die bei­den Mül­ler mit der Stukkarbeit.

Die orna­men­ta­len Stuck­ver­zie­run­gen, Engels­köp­fe usw. sind im Gewöl­be frei ange­tra­gen und in flot­ter, künst­le­risch und sti­lis­tisch kor­rek­ter Form gehal­ten nach den Zeich­nun­gen des bau­lei­ten­den Archi­tek­ten Schott im Über­gangs­stil (Ende des 18. Jahrhunderts).

In die Schlos­ser­ar­bei­ten teil­ten sich die Pas­sau­er Fir­men Kas­par und Hein­rich Krie­gner und Lud­wig Apfel­beck. – Krie­gner besorg­te die eiser­nen Fens­ter­rah­men usw. und fer­tig­te das Turm­kreuz an. Der Betrag für sei­ne Arbei­ten betrug 1287 Mk. Apfel­beck hat­te die Türen und Fens­ter­be­schlä­ge, Ober­licht­git­ter, sowie Kom­mu­ni­ongit­ter über­nom­men um den Betrag von 948 Mk. Die Ver­gol­dung des Turm­kreu­zes mit Knopf und des Gie­be­lauf­sat­zes über dem West­por­tal wur­de unter den vier ein­ge­reich­ten Ange­bo­ten dem Maler­meis­ter Josef Hei­der, Pas­sau-Stein­weg um den Gesamt­preis von 175 Mk. übertragen.

Am Frei­tag, 27. Mai 1910, nach­mit­tags 4.30 Uhr, wur­de das drei Zent­ner schwe­re Kreuz im Kir­chen­raum unter Teil­nah­me des Kir­chen­bau­ver­eins­aus­schus­ses von Hochw. H. Pro­fes­sor Jakob Fürst geweiht und, nach­dem kurz zuvor ein schwe­res Gewit­ter mit wol­ken­bruch­ar­ti­gem Regen nie­der­ge­gan­gen war, um 51/4 Uhr auf den 52 m hohen Turm auf­ge­zo­gen, sodann von Speng­ler­meis­ter Hagn, sei­nem Sohn und einem Schlos­ser­ge­hil­fen bei Krie­gner oben ein­ge­setzt. Die nicht unge­fähr­li­che Arbeit, wel­che vie­le Zuschau­er her­bei­lock­te, glück­te in einer knap­pen hal­ben Stun­de. Am Tur­me wur­den die 4 frei­ste­hen­den, ver­gol­de­ten Zif­fer­blät­ter befes­tigt, die von der Regens­bur­ger Turm­uh­ren­fa­brik Edu­ard Stro­bl um den Preis von 900 Mk. gelie­fert wor­den waren.

Die Tisch­ler­ar­bei­ten für das Haupt­por­tal aus Eichen­holz, äuße­re und inne­re Turm­tü­re, Sakris­tei­tü­ren (drei Stück) lie­fer­te Micha­el Haas, Passau-Grünau.

Die Schnit­ze­rei­en an den Türen sind von Bild­hau­er Lin­ner, Pas­sau-Alt­stadt; Schrei­ner­meis­ter Franz Mikos­si, Pas­sau-Spi­tal­hof fer­tig­te die zwei eiche­nen Sei­ten­por­tal­tü­ren, Fens­ter­stö­cke, Deck­bret­ter auf den Brüs­tun­gen und die Kommunionbank.

Die Aus­ga­ben für die Tisch­ler­ar­bei­ten betru­gen 1020 und 1509 = 2529 Mk.

Die Gla­ser­ar­bei­ten: Begla­sen der Kir­chen­fens­ter in Eisen­rah­men mit 6/4 rhei­ni­schem Tafel­glas mit Ver­blei­un­gen, der Sakris­tei- und Ora­to­ri­ums­fens­ter in Holz­rah­men mit 4/4 rhei­ni­schem Tafel­glas ohne Ver­blei­un­gen, wur­de unter drei Ange­bo­ten der Fir­ma Franz Xaver Kur­län­der-Pas­sau, um den Preis von 740 Mk. übergeben.

Vom Juli 1910 ab wird bereits die inne­re Voll­endung des Bau­es ange­strebt. Man beginnt damit, die Pfei­ler für die Empo­re zu mauern.

Die elek­tri­sche Licht­an­la­ge wur­de von der Fir­ma Anton Pau­li, Pas­sau-Stein­weg um den Betrag von 920 Mk. ein­ge­rich­tet. Pau­li fing am 16. August mit der Legung der Kabel an.

Der Anschluß ans städ­ti­sche Elek­tri­zi­täts­werk erfolg­te am 6. Sept.

Am 16. Sept. wird mit der Beton­un­ter­la­ge für das Kir­chen­pflas­ter, etli­che Tage dar­auf mit dem Ein­set­zen der 16 Kunst­stein­säu­len begon­nen. Bau­meis­ter Capel­la­ro braucht einen Tag bis eine Säu­le mit dem Kapi­täl steht. Am 6. Okto­ber begin­nen 2 Ita­lie­ner mit der Pflas­te­rung (Kief­fers­fel­de­ner Marmormosaikplatten).

Ffür die Lie­fe­rung der Kir­chen­stüh­le hat­te Schrei­ner­meis­ter Elen­der von Hals den Zuschlag um den Preis von 4103 Mk., pro lfd. Meter 20,5 Mk. erhalten.

Stein­metz­meis­ter Josef Kag­le­der, Pas­sau-Inn­stadt, setz­te die drei Weih­was­ser­be­cken von hell­ro­tem Unters­ber­ger Mar­mor ein, Preis: zusam­men 124 Mk.

An den Kir­chen­por­ta­len wer­den außen die Bild­hau­er­ar­bei­ten von Vik­tor Hau­ber und Wal­ter Broes­ke fer­tig gemacht. – So war es Dezem­ber 1910 gewor­den. Der Win­ter mach­te ein mil­des Gesicht; es konn­ten die letz­ten klein­bau­li­chen Arbei­ten zu Ende geführt werden.

Am Diens­tag, den 13. Dezem­ber 1910 bekam St. Anton in Franz Paul Maidl sei­nen ers­ten Seel­sorgs­geist­li­chen (Expo­si­tus).

Nach­mit­tags 4 Uhr hielt der­sel­be sei­nen Ein­zug in die neue Kir­chen­ge­mein­de im Bei­sein der Schul­kin­der von Hai­den­hof, die Bewoh­ner der Wind­schnur hat­ten ihre Häu­ser beflaggt. Vor der Türe sei­nes neu­en Heims (Sedan­stra­ße 76 – heu­te Neu­bur­ger­stra­ße 76)) begrüß­te ihn das Töch­ter­lein des Gärt­ners Merz­bach, Ama­lie, von Spi­tal­hof mit einem von Frl. Rosa Gin­ker, Spi­tal­hof, ver­faß­ten Willkommgruß.

In der Kir­che selbst muß­te alles vor­be­rei­tet wer­den für die am Sonn­tag, den 18. Dezem­ber statt­fin­den­de Bene­dik­ti­on der Kir­che. Es wur­den ein Not-Hoch­al­tar und zwei Not-Sei­ten­al­tä­re auf­ge­stellt, die alte Orgel von der Votiv­kir­che hie­her über­führt und ein pro­vi­so­ri­scher Pre­digt­stuhl (Ambo) aus­ge­stellt. –
Am 14. Dezem­ber wur­den die 4 aus der Glo­cken­gie­ße­rei Anton Gugg, Inh. Leon­hard Lorenz von Pas­sau-Wind­schnur stam­men­den Glo­cken von H. H. Bischof Sigis­mund Felix im Dome geweiht.

Im Tur­me wur­den die Vor­be­rei­tun­gen für die Auf­nah­me der Glo­cken getrof­fen. Am Frei­tag, den 16. Dezem­ber, wur­den die­sel­ben aus­ge­zo­gen, um zum ers­ten­mal am Sonn­tag, den 18. Dezem­ber, bei der Ein­wei­hung der Kir­che zu erklingen.

Die Glo­cken­pro­be wur­de erst am Sonn­tag, 5. März 1911, nach­mit­tag von 1 – 2 Uhr von H. H. Stifts­vi­kar Peter Gries­ba­cher im Ver­ein mit H. H. Dom­ka­pell­meis­ter Geistl. Rat Bachs­te­fel von Pas­sau vorgenommen.

Am Sonn­tag, den 18. Dezem­ber 1910, war end­lich der Fest­tag des Neu­bau­es, sein Krö­nungs­tag, gekom­men: die fei­er­li­che Bene­dik­ti­on der Kir­che. – Der Wei­he­akt wur­de ein­ge­lei­tet mit einem vier­tel­stün­di­gen Geläu­te der Glo­cken von St. Anton. – Der from­me Sinn der Gläu­bi­gen hat­te Sor­ge getra­gen, daß die im Innern noch arme Kir­che mit Krän­zen und Gir­lan­den unter Anlei­tung des Gärt­ners und Aus­schuß­mit­glie­des Merz­bach aus­ge­schmückt wer­den konnte.

Um 9 Uhr wur­de der H. H. Dom­pfar­rer und Dom­ka­pi­tu­lar Max Mug­gen­tha­ler erwar­tet. Der­sel­be nahm als Bischöf­li­cher Kom­mis­sär die Funk­tio­nen der Ein­wei­hung der Kir­che vor, assis­tiert von Hochw. H. Reli­gi­ons­leh­rer Mat­thi­as Gras­wald und Pfr. Franz Paul Maidl.

Inzwi­schen hat­ten die teil­neh­men­den Gläu­bi­gen mit den Schul­kin­dern von Hai­den­hof die Kir­che voll­ge­füllt. – Vor dem fei­er­lich levi­tier­ten Hoch­amt hielt der H. H. Dom­pfar­rer Mug­gen­tha­ler eine Anspra­che. »Heu­te ist die­sem Hau­se Heil wider­fah­ren!«, so rief er den Ange­hö­ri­gen der Kir­chen­ge­mein­de St. Anton zu: »Eine neue Gna­den­stät­te ist eröffnet!«

Er erin­ner­te kurz an die Grün­dung und Ent­wick­lung des Kir­chen­bau­ver­eins St. Anton seit dem Jah­re 1903 und an die fei­er­li­che Grund­stein­le­gung im ver­gan­ge­nen Jah­re durch den Hoch­wür­digs­ten Herrn Bischof. »Jetzt ste­he der Kir­chen­bau vor uns als eine hohe War­te der Stadt, als eine Zier­de der Land­schaft, ein Zei­chen des unver­brüch­li­chen Glau­bens und der Fort­dau­er der katho­li­schen Kir­che. Got­tes Lie­be und Gna­de hat sich unter uns Men­schen nie­der­ge­las­sen, eine neue Geburts­stät­te des christ­li­chen Glau­bens, die allein Bürg­schaft leis­tet für Sit­te, Treue und Ord­nung unter dem Vol­ke, habe sich auf­ge­tan. Nicht ein hoch­ver­mö­gen­der Mann habe die­se Kir­che gestif­tet, son­dern es waren Hun­der­te von Hän­den und Her­zen, die sich in opfer­wil­li­ger Lie­be ver­bun­den haben zu dem schö­nen Werke.

Es soll bei die­ser Gele­gen­heit vor allem des­je­ni­gen nicht ver­ges­sen wer­den, der der eigent­li­che Werk­füh­rer gewe­sen ist, des jet­zi­gen ers­ten Seel­sor­gers in der neu­en Gemein­de St. Anton. Möge ihm und allen Mit­glie­dern und Wohl­tä­tern des Kir­chen­bau­ver­eins der lie­be Gott all’ die Lieb’ und Treue loh­nen, möge auch die Kir­chen­ge­mein­de St. Anton ihrem ers­ten Seel­sor­ger stets in Lie­be zuge­tan sein. Die Haupt­sa­che aber sei, daß jetzt auch ein ande­rer Bau – der Auf­bau und Aus­bau der Seel­sor­ge in der neu­en Gemein­de erfolge.

Der ers­te Got­tes­dienst in der neu­en Kir­che soll dem drei­ei­n­i­gen Gott auf­ge­op­fert sein unter der beson­de­ren Für­bit­te der Got­tes­mut­ter Maria, des hl. Apos­tel Petrus und des hl. Anto­ni­us, wel­cher der Schutz­herr der Gemein­de ist.

Beim Got­tes­dienst sei beson­ders gedacht aller der­je­ni­gen, wel­che sich mit ihren Wohl­ta­ten für die­ses Got­tes­haus hoch ver­dient gemacht haben.« Auf die ergrei­fen­de Anspra­che folg­te der fei­er­li­che Got­tes­dienst, bei wel­chem san­ges­kun­di­ge Her­ren unter der ver­ständ­nis­vol­len Lei­tung des Herrn Alum­nus Habe­re­der (bereits ver­stor­ben) die kir­chen­mu­si­ka­li­schen Aus­füh­run­gen in bes­ter Wei­se besorg­ten. Am Schlus­se erklang das ers­te »Gro­ßer Gott« durch die Räu­me des neu­en Got­tes­hau­ses. – Es war eine ein­drucks­vol­le Fei­er, deren Erin­ne­rung noch heu­te die Teil­neh­mer froh bewegt.