Auf dem Weg erzählte Schaffner in seiner amüsanten und augenzwinkernden Art viele Anekdoten und Geschichten. Nachdem er zunächst die abenteuerliche Rettung der Stadtakten durch ein kleines Fenster aus dem Neuen Rathaus beim großen Hochwasser 2013 beschrieben hatte, führte er die Gruppe im Alten Rathaus hinauf in die ehemalige Wohnung der früheren Bürgermeister und dem dazu gehörigen Dachgarten mit Ausblick auf die Donau und die Veste Oberhaus. Augenzwinkernd meinte Schaffner, dass damals der Bürgermeister notfalls auch im Schlafanzug seinen Amtsgeschäften nachgehen konnte.
Durch das Dachgewölbe des Rathauses mit den niedrigen Dachbalken ging es weiter zum Glockenspiel. Auch dazu wusste der Stadtarchivar Interessantes zu berichten, so z.B. dass die Glocken von einer Glockengießerei in Holland stammen und dass die ortsansässige Gießerei Perner nur für das Glockenspiel und die Elektrik zuständig war. Danach wurde es sportlich: Die Teilnehmer mussten „trittsicher und schwindelfrei“ sein, um die enge Wendeltreppe aus Büchelberger Granit bis hinauf zur Spitze des Rathausturms zu erklimmen. Sie wurden für die Kletterei mit einer atemberaubenden Aussicht vom Balkon rund um die Spitze belohnt auf den Dom, Maria Hilf, das Oberhaus und die Dächer der Altstadt.
Weiter ging’s in den Großen Rathaussaal mit den bunten Glasfenstern. Schaffner erzählte, dass sie im Prinzip die Geschichte Passaus in fast fotografisch genauen Bildern erzählen und dass es sich um Stiftungen handelt. So wurde eines der Fenster vom Wanderverein gestiftet und stellt eine Wandergesellschaft an der Donaulände dar. Schmunzelnd meinte der Archivar, dass – zumindest damals — die Wanderrouten von Wirtshaus zu Wirtshaus führten.
Im Kleinen Rathaussaal ging Schaffner u.a. auf das imposante Deckengemälde mit seinen üppigen Figuren ein und erläuterte die Bedeutung jeder einzelnen. Er wies auch darauf hin, dass dieser Saal zu den schönsten Standesamtssälen gehört.
Am Schluss durften die Teilnehmer dann das eigentliche Reich von Richard Schaffner betreten, das Stadtarchiv, in dem lt. Schaffner die Bauakten aller Passauer Häuser und die Statiken der Gebäude aufbewahrt werden. Die Besucher durften einen Blick auf einige der wertvollsten und ältesten Urkunden
werfen, so z.B. auf die Goldene Bulle mit dem vergoldeten Siegel. Den im wahrsten Sinne des Wortes krönenden Abschluss bildete das Gästebuch des Hotels Wilder Mann, in dem Kaiserin Elisabeth von Österreich persönlich eingetragen war.
Wegen des großen Interesses erklärte sich Richard Schaffner gerne bereit, einen zweiten Termin für die KEB anzubieten. Die Daten dazu finden sich im KEB-Programmheft und auf der KEB-Website.
Text: Utta Materny



